Manchmal – ehrlich – frage ich mich das immernoch. Vorweg kann ich sagen, ja, das geht, es geht dann, wenn man sich selber gut organisiert und, mindestens genauso wichtig, wenn der Arbeitgeber sich flexibel auf Deine Lebenssituationen einzustellen bereit ist.
In meinem Fall startete die Zweigleisigkeit mit dem Wunsch, mein Arbeitsfeld zu wechseln. Nach vielen Jahren Tätigkeit im Bereich Suchtberatung und nach zweifachem Mutterwerden war ich emotional nicht mehr gerüstet für das ehemals als Berufung erlebte Arbeitsfeld. Meine Stärke, dicht am Klienten zu sein und zu begleiten, konnte ich nicht mehr (aus-)halten und mit durch Supervision gelernter Distanz fühlte ich mich nicht mehr wohl in meiner Rolle bzw. konnte meiner Erwartung an mich als Beraterin nicht mehr gerecht werden.
Hinzu kamen Schwierigkeiten mich nach meiner Elternzeit und Corona von meinen zwei Söhnen zu lösen, außerdem fehlte es an passenden Betreuungsmöglichkeiten, die bei meinem Großen noch möglich waren. Warum also nicht die liebgewonnene Situation zum Beruf machen? Viele Faktoren spielten zusammen, so dass ich zeitnah in die Qualifizierung gehen konnte und mich parallel schon – Dank großem Vertrauensvorschuss von lieben Menschen hier im Ort – langsam an die neue Rolle herantasten konnte. Gleichzeitig öffnete sich die Tür ein neues Arbeitsfeld im alten Job zu übernehmen, welches vom grundlegenden Beratungsalltag komplett anders war als mein alter Bereich. Und trotz des vergleichsweise geringen Stundenumfangs, den ich im Rahmen des klangvollen Oberbegriffs „Teilzeit während der Elternzeit“ ausübte und bis heute ausübe, konnte ich mich fachlich weiterbilden, so dass ich von der Sucht- zu den Schulden wechseln konnte. Ein Glücksgriff – funktioniert nur mit einem richtig guten Arbeitgeber, der von mir nicht viel mehr erwartete als einen Antrag auf Nebentätigkeit und ein tragfähiges Konzept, wie sich beide Tätigkeiten nicht ins Gehege kommen und ich meine Arbeit bestmöglich erledigen kann.
Und heute – wie läuft es längerfristig und wie soll es weitergehen?
Es gibt Phasen, da belastet der Doppeljob schon. Besonders, da Arbeiten in der Schuldnerberatung auch kein Job ist, der sich um 17 Uhr abschließen lässt und ruht bis man ihn wieder aufnimmt. Da gibt es drängende Anfragen und Probleme, Stromsperren die bedrohen und Fristen, die es einzuhalten gilt. Da liest man morgens noch schnell die Emails und hat dann den ganzen Vormittag Kinder da – keine Luft zum Antworten, den Inhalt aber dauerhaft im Kopf. Da gibt es Termine, die kollidieren mit den Kinderbetreuungszeiten, weil sie außerhalb der festgelegten Arbeitszeiten liegen, die Kolleg*innen aber nur dann Zeit haben. Kurzfristig lässt sich oft nur wenig machen, die Konsequenz für die Eltern meiner Tageskinder wäre groß – längerfristig angesetzte Termine lassen sich umsetzen. Organisation und Planbarkeit sind hier das A und O.
Und wozu das alles?
Naja, schonmal nicht „für die Rente und die KV“ habe ich gelernt (siehe auch: was ich gerne früher gewusst hätte…). Aber fürs Selbstverständnis und auch für die Sicherheit. Dinge ändern sich, Lebenswelten und Bedürfnislagen von einem selbst und der Familie. Zzt. passt die Kindertagespflege gut ins System und es bereichert mein Leben und Arbeiten enorm. Ich habe noch nie in einem Job soviel gelacht, soviel Zeit mit tollen Menschen an der frischen Luft verbracht und mich dabei viel bewegt und nebenbei noch Tiere und die eigenen Kinder versorgt. Zeit zu beobachten und zu staunen. Kleine, unvoreingenommene Menschen zu begleiten und kennenzulernen, das ist ein Geschenk.
In einem Team zu arbeiten, mit lieben und fachlich kompetenten Kolleg*innen an rechtlich komplexen Fällen arbeiten und möglichst nachhaltige Lösungswege mit Klient*innen erarbeiten oder Erfolge einfahren nach zähen und zermürbenden Verhandlungen – das nährt das Sozialarbeiterherz und -Selbstverständnis. Es fordert nochmal ganz anders und benötigt andere Kompetenzen als die Kindertagespflege.
Nicht zuletzt stellt es auch finanziell eine stabile, kalkulierbare Säule dar, die Sicherheit gibt – welche eine reine Selbstständigkeit nicht bieten könnte.
Außerdem bin ich dort „schon immer“ beschäftigt und weiß die Diakonie als Arbeitgeber und meine Kolleg*innen sehr zu schätzen. So überwiegen die Vorteile der „Zweigleisigkeit“ gegenüber allen strukturellen Herausforderungen.





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