Was ich gerne früher gewusst hätte….

Die Entscheidung, Kindertagespflegeperson werden zu wollen, ist eine Große.

Ich habe viele Kolleg*innen kennengelernt, die trafen diese Entscheidung nachdem sie selbst Eltern geworden waren und auf der Suche nach einer Tätigkeit, die sich gut mit der Familie vereinen lässt und in der man Dinge einbringen kann, die man schon mit dem eigenen kleinen Sonnenschein gerne getan hat. Der berufliche Hintergrund ist dabei ganz unterschiedlich gewesen, völliger Quereinstieg aus einem ganz anderen Berufsfeld; der Wunsch gelernter Erzieher*innen sich endlich vorrangig mit den Kindern beschäftigen zu können, ohne die ganzen Hindernisse des Kindergartens; eigene Kinder, die schon größer sind und man sich einen Wiedereinstieg in den Job nicht vorstellen kann, und so weiter….

Die Ausgangslage könnte kaum unterschiedlicher sein, die Perspektive dafür umso ähnlicher. Und bei allem, was man so abwägen kann, gab es bei mir einige Dinge, die ich…

…so nicht erwartet habe.

….einfach nicht wusste.

…nicht ausreichend bedacht habe.

…gerne gewusst hätte.

Falls es Dir auch so geht, oder Du einfach neugierig bist, hier sind sie.

Kümmere dich schnell um die rechtlichen Rahmenbedingungen

Man lernt es bereits in den Vorgesprächen, aber die Details sind nicht immer klar auf dem Tisch. Als Tagespflegeperson bist Du steuerpflichtig, aber kein Kleinunternehmer und die Umsatzsteuer braucht Dich nicht beschäftigen. Wohl aber die Krankenversicherung und, ja, auch die Rentenversicherung. Im Gegensatz zu freiberuflichen Influencern, die „für die KV und die Rente“ noch ein paar Stunden in ihrem alten Job arbeiten, bist Du als Tagespflegeperson niemand, der sich mit seiner Tätigkeit eine goldene Nase verdienen kann und daher musst Du vorsorgen. Bei der KV heißt das dann „freiwillig gesetzlich versichert“ und ist nicht Pflicht, aber dringend zu empfehlen. Die gesetzliche Rente ist einfach Pflicht und wenn man sich nicht rechtzeitig meldet, dann drohen ordentliche Nachforderungen. Ja, Dein Jugendamt übernimmt jeweils die Hälfte der Beiträge (ist soweit ich weiß überall so), aber man muss es einkalkulieren, KV sind schnell mehrere Hundert Euronen im Monat und die Rentenversicherung schmälert den Gewinn unterm Strich auch nochmal. Es gelten Geringfügigkeitsgrenzen, aber es ist wichtig sich hier gründlich zu informieren, selbst wenn Du noch in einem (anderen) Angestelltenverhältnis bist (für die Rente und die KV…husthust). Beim Finanzamt beantragst Du eine Steuernummer und arrangierst Dich damit, ab jetzt Steuererklärungen zu machen (für die Rente und die KV…) oder einen Berater zu bezahlen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat Grenzen

Das Schöne bei der Tagespflege ist, dass man für die eigenen Kinder Zeit hat. Sie müssen nicht in externe Betreuung, sie kommen heim nach der Schule oder in die Räumlichkeiten der Betreuung (Vorsicht: manchmal zählen die eigenen Kinder hier wie Betreuungskinder, besonders wenn sie noch jung sind). Sie essen mit zu Mittag und die Tageskinder freuen sich, dass sie da sind. In der familiennahen Betreuung sind sie wie große Geschwister und werden bewundert bis angehimmelt. Ausufernde Ferienzeiten der Schulkinder? Kein Problem für Dich, Du nimmst Dein Kind mit zur Radtour durch die Felder und freust Dich darüber, dass das bezahlte Arbeitszeit ist. Nur…was, wenn das eigene Kind krank ist? Na, dann melde ich mich Kinderkrankenhaus, ist doch klar. Doch das schlechte Gewissen nagt. Ist es echt so krank? Alle anderen Eltern können nicht arbeiten gehen weil Dein Sohn hustet? Hm, vielleicht geht es ja auch so. Kind vorm Fernseher, Essen und Trinken bereitgestellt und weiter geht es. Oder Kind zu Opa und Oma? Nicht das, was ich mir unter einer angemessenen Krankenbetreuung vorstelle. Es gibt KO Kriterien (Magen/Darm macht keine Kompromisse), aber meistens ist es Ermessen. Es gibt Vertretungsmodelle, manche funktionieren besser, manche schlechter. Aber sie erleichtern das Gewissen bei Krankheit. Und dennoch gibt es andere Tage. Der Kindergarten hat zu, oder das eigene Kind ist übernächtigt und bleibt heute besser zuhause…..? Mit mieser Laune, Grobian-Verhalten und dem Bindungsbedürfnis eines Säuglings? Da greift keine Vertretung und die Großeltern lehnen sich dankend ab. An solchen Tagen den Dir anvertrauten Tageskindern gerecht werden und Deine Rolle als Mutter erfüllen, ja, nein das klappt nicht immer. Eine Lösung? Habe ich dafür nicht. Gelegentlich kann mein Mann etwas entlasten, aber auch das ist Luxus.

Dein eigenes Kind in Deiner Tagespflege?

Vielleicht startest Du auch, weil Dein Kind klein ist und Du die Zeit gerne mit ihm verbringst und das Gefühl hast, die Zeit, die man mit Kindern dieses Alters verbringt ist so wertvoll und besonders, da möchtest Du nichts verpassen. Der Zeitpunkt ist günstig, mir hat es viel gebracht. Ich war dankbar drum, insgesamt 3 Jahre mit meinem Kleinen zuhause zu sein und dennoch Einkommen zu haben. Viele meiner Kolleg*innen haben ihre Kinder dennoch bei anderen Tagespflegepersonen untergebracht und ich verstehe heute gut, wieso. Trotz eigener Betreuungsräume und trotz Spielzeug, das keinem meiner Kinder gehört, ist es sein Zuhause. Wir hocken ja nicht nur im schweitzerisch-neutralen Betreuungsraum im Keller, wir sind im Wohnzimmer, im Garten, im Sandkasten…und so sehr ich mich anstrenge für alle gleichberechtigt da und ansprechbar zu sein: Ich bin und bleibe seine Mama. Und er mein eigen Fleisch und Blut. Und da „der Apfel nicht vom Birnbaum fällt“ treibt mich mein eigenes Kind ganz anders in den Wahnsinn als die Tageskinder. Die triggern nicht die Punkte, die das eigene Kind erreicht. Wieder und wieder. Und dann benimmt es sich noch wie ein Ar***! Was soll denn das? Ich war oft stinkig bis fassungslos – und oft so dankbar für die schönen Stunden. Und so innerlich beschämt als ich mit meinem eigenen Kind an der Brust andere Kinder eingewöhnte…das hatte ich mir oft anders vorgestellt. Als er mit 3 in den KiGa wechselte, da merkte ich, wieviel Unruhe er in die Gruppe gebracht hat, wie sehr er mich gefordert hat und wie ausgelaugt ich war. Und trotzdem war ich so traurig, dass er jetzt 200m weiter im KiGa saß und ich hier zuhause andere Kinder betreute und wir eine gute Zeit – ohne ihn – hatten.

Hast Du Haustiere?

Wir haben einige. Tagespflege ist Stress für die Tiere. Immer wieder Kinder, die teils Angst vor ihnen haben, teils ungehemmt auf sie zugehen und erst noch lernen müssen, wie man mit ihnen umgeht. Kinder, die gut nach Essen riechen und die man doch nicht anknabbern und anschlabbern darf…bei denen andere Regeln gelten als bei denen, die sonst hier leben. Für unsere Hunde ist es besonders stressig, wenn Kinder gebracht oder aus dem Rudel herausgeholt (abgeholt) werden. Egal ob man Freu-Hunde hat, die jeden Besuch lieben, oder solche, die das Rudel verteidigen wollen und den Bären (= Fremdes Elternteil) verbellen; es ist immer Stress und man muss sich organisieren. Regelmäßige Wurmkuren und Impfungen sind ohnehin Pflicht, auch musst Du dir überlegen, welche Rolle sie in eurem Alltag spielen sollen. Sind sie Teil des pädagogischen Konzepts oder einfach nur dabei? Willst Du gemeinsam versorgen oder alles voneinander getrennt halten? Vieles ist möglich, immer auch in Absprache mit deinem Fachdienst (zumindest wenn es um Hunde geht), aber es steht und fällt mit einer klaren Haltung und mit dem Wesen Deiner Tiere.

Betreuung zuhause betrifft alle

Dein Mann ist doch an der Arbeit und Deine Kinder in der Schule? Bis die wieder da sind, hast Du alles wieder auf Stand? Ja, das geht. Aber auch Dein Mann ist mal krank. Er ist morgens vielleicht noch da, wenn „ständig andere Leute“ in Eurer Küche sitzen und die festgeklebte Marmelade an Eurem Esstisch bestaunen. Er sitzt auf dem selben Sofa, auf dem morgens noch das rotznasige Kleinkind Schnütte abgestreift hat, die Du selber gar nicht gesehen hast. Deine Familie stolpert über die vollen Stinkewindeln draußen auf der Fensterbank, wenn sie eigentlich nur lüften wollen und Dein kranker Mann möchte eigentlich nur in Ruhe John Wick gucken, wenn Du mit der Rasselbande durchs Wohnzimmer turnst. Es betrifft alle – in unterschiedlichem Ausmaß, dennoch müssen es alle mit tragen wollen und manchmal auch ertragen.

Drum prüfe, wer sich bindet

Eltern sind komisch. Jeder weiß das. Guck, dass die Eltern, die zu Deinen Tageskindern gehören, zu Dir passen. Es geht vielleicht nicht immer, besonders dann nicht, wenn wirtschaftlich von Dir viel abhängt. Aber es bringt Dich nicht weiter, wenn Du mit den Eltern nicht harmonierst. Das macht den Alltag schwer, Du musst Dich verbiegen oder über Hürden springen, denen Du nicht gewachsen bist. Es lohnt nicht und vergrätzt Dir die Arbeit mit den eigentlichen Protagonisten, den Kindern. Zu jedem Kind, das Du betreust, kommen in der Regel mindestens zwei Elternteile dazu. Gebt euch die Zeit euch etwas besser kennenzulernen und vertrau auf Dein Bauchgefühl. Es gibt noch andere tolle Tagespflegepersonen, Du musst nicht alle bedienen. Und es gibt noch andere Kinder von Eltern, die besser mit Dir harmonieren, die kommen manchmal auch unverhofft.

Es tut weh, wenn Tageskinder gehen

Du weißt, dass sie gehen. Du bereitest Dich selbst und sie auch darauf vor. Mit knapp drei sind sie auch reif für den Kindergarten und Du merkst, dass sie aus der Kindertagespflege herauswachsen. Du hast sie 2 Jahre ihres noch so kurzen Lebens begleitet, sie haben Dich (und Deine Kinder vielleicht auch!) 2 Jahre Deines/Eures Lebens begleitet. Es tut weh, wenn sie gehen. Gib Ihnen etwas von Dir mit. Und sei es ein blöder Ohrwurm. Das tröstet.

Ich bin Anja.

Willkommen auf meinem Blog und zu Informationen zur Kindertagespflege in Wolfhagen OT.

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