Wer sie schonmal miterlebt hat, egal in welcher Rolle, ob als Erzieher*in, Elternteil oder Tagespflegeperson, der weiß: da passiert etwas!
Ich selber bin beim Thema Eingewöhnung wirklich kein Profi, das gebe ich zu. Ich habe unseren Großen damals bei seiner Tagesmutter eingewöhnt and that‘s it.
Kindergarten – war mein Mann. Zweites Kind – die Tagesmutter war ich selbst. Kindergarten – wieder mein Mann. Und ich muss sagen, ich bin ihm da sehr, sehr dankbar. Bei der ersten Eingewöhnung war ich noch so unbedarft. Das ist jetzt halt so. Jetzt ist der Bub knapp 1 Jahr, die Elternzeit endet in 4 Wochen, jetzt sitze ich hier, gehe mit raus, gehe wieder mit rein, gehe mal ne Stunde weg, komme wieder, gehe direkt weg, bleibe weg, und schwupps: Kind bleibt alleine, weint nicht, wenn es nach dem Schläfchen wieder wach ist hole ich es ab und wir haben einen schönen Nachmittag.
Wenn ich mir das heute vorstelle, dann wundert es mich, dass das so geklappt hat. Mit meinem Jungen, aber auch mit mir selber. Ein Jahr mit Baby zuhause und dann hat es plötzlich einen anderen, neuen Alltag als ich und ich kehre in mein „altes Leben“ zurück. Huh, warum hat mir das nicht das Herzchen noch schwerer gemacht?
Ich bin mir sicher, das lag an „meiner“ Tagesmutter. Gabi hat mir als Mutter ganz nebenbei soviel Sicherheit vermittelt, dass ich mein Kind bei ihr gut aufgehoben wusste. Dabei hat sie gar nicht viel gemacht, sie war einfach sie selbst und sie war da und die anderen Kinder (alle viiiiiiel älter, gefühlt) mochten sie. Das hat irgendwie gereicht um mein Mama-Herz zu beruhigen.
Wenn ich heute mit „meinen Eltern“ da sitze, dann habe ich das immer im Kopf: zeig ihnen die Zukunft. Mach das, was du immer machst, lass die anderen Kinder für dich sprechen. Sie haben Spaß, sie haben auch mal Not, sie haben Dich als Halt. Und das Baby, was da neu dazu kommt, das wird genau dort auch ankommen. Jetzt ist es noch scheu und braucht die Sicherheit von Mama oder Papa, aber bald wird es hier auch mittanzen, am Tisch sitzen und sich mit Kartoffelpüree einschmieren und sich vor Lachen wegschmeißen, wenn die anderen mit ihm Guck-Guck spielen.
Die Kindertagespflege ist dabei der erste große Wechsel der Bezugspersonen. Die kamen vorher meist ausschließlich aus der Familie, jetzt kommt jemand von außen dazu. Außerdem ist es das erste Setting, in dem ein Erwachsener und mehrere Kinder zusammen sind. In der Spielgruppe hatten alle Kinder ihre eigene Bezugsperson dabei, Oma und Opa haben sich extra Zeit und Raum gegeben sich ganz auf das Kleine zu konzentrieren. Und jetzt so eine Veränderung.
Und trotzdem darf man das Eingewöhnungskind hier nicht so isoliert betrachten, denke ich. Gegebenenfalls hat bereits die Mama wieder angefangen zu arbeiten und ist nicht mehr sooft zuhause und die Wiederaufnahme der Arbeit durch Papa steht kurz bevor. Der Umbruch betrifft also nicht nur das Kind.
Und bei uns anderen? Da ist eine Gruppe, die sich schon kennt. Sie sind unterschiedlichen Alters, unterschiedlich lange dabei und alle mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Sie haben Routinen und Alltag schon gelernt oder mitgestaltet und jetzt kommt da so ein noch kleinerer Mensch und bringt ein Elternteil mit. Das erinnert das ein oder andere Kind schmerzlich daran, dass die eigenen Eltern nicht dabei sind. Die Situation verunsichert alteingesessene Kinder und nervt die, die sich in den Abläufen gut zurecht finden und in Ruhe ihren Lieblingstätigkeiten nachgehen möchten.
Eines möchte basteln – äh, ja, da geht gerade nicht, da sitzt ein kleiner Mensch bei mir auf dem Schoß; eines möchte Fahrradfahren, ja, äh, puh, da müssen wir mal gucken ob das schon so klappt. Auch die anderen Kinder müssen zurückstecken, das strengt sie enorm an. Gerade, wenn mal nicht alles rund und nach „Plan“ verläuft. Wenn doch alles länger dauert als erwartet und wenn auch die Tagesmutter öfter durchschnaufen muss und nur die Basics noch Platz haben im Alltag.
Eingewöhnung strengt alle an. Die Mittagskinder sind so unheimlich müde, auch vormittags sinkt das Energielevel viel schneller als gewohnt, die Stimmung ist eine Wundertüte und als Tagesmutter weiß man oft nicht mehr, wie man am Ende mit allen trotzdem gut durch den Tag gekommen ist, sag ich euch.
Ist Eingewöhnung eine Zumutung? Ja, schon. Man mutet sich und den Kindern und auch den Eltern viel zu. Und gleichzeitig wohnt doch jedem Anfang ein Zauber inne. Es kommen Phasen der Stagnation, da geht kaum etwas voran, und dann, oft von einem Tag auf den anderen, da verändert sich was Großes. Da wird es leichter. Da wird mehr erforscht und weniger geklammert, da wenden sich die „Bestandskinder“ dem Neuling zu und der findet es nicht mehr gruselig sondern freut sich. Da kehren Leib gewonnene Rituale wieder in den Alltag ein und Neue haben sich gebildet. Und als Tagesmutter fühle ich, da hat jemand Vertrauen gefasst. Die Zeit, die Routine, die anderen Kinder, alles hat für mich gearbeitet und aus dem Durchschnaufen wird ein Durchatmen und ein erleichtertes Seufzen: jetzt starten wir gemeinsam durch.





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